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Der Lisztraum soll in jedem Jahr neu bespielt und so auch neu geschaffen werden. Unter diesen Voraussetzungen, insbesondere durch die direkte Zusammenarbeit mit den Architekturstudenten, war ich auf der Suche nach einem Objekt, welches sowohl architektonisch als auch medial mit Blick auf Interaktionen universell einsetzbar ist, so dass es über Jahre im Lisztraum bestehen und eine Zweck erfüllen kann, ob nun als Teil eines künstlerischen Installationskonzepts oder einfach als Teil des Raumes selbst.
Bei der Recherche zum Thema Franz Liszt fiel mir ein Aspekt seiner Person ganz besonders auf: In seiner Weimarer Zeit gab er immer wieder Klavierstunden, für die er niemals Geld nahm. Er zog so die Konsequenz aus dem Beginn seiner Laufbahn, als sein Vater alles aufgab, um ihm eine gute Klavierausbildung zukommen zu lassen. Mir gefiel der Gedanke, gleiche Voraussetzungen für alle zu schaffen, jedem, unabhängig von Herkunft und finanziellem Hintergrund, eine musikalisch Laufbahn zu ermöglichen.
Ich sponn diesen Gedanken weiter und überlegte mir Möglichkeiten, wie man noch gleiche Voraussetzungen in Bezug auf das Spielen eines Instruments schaffen kann. Mir fiel das Theremin ein, das erste elektronische Instrument, das bis heute durch seine ungewöhnlich Spielweise von wenigen Musikern gemeistert wurde. Es wurde 1919 von dem russischen Physiker Lev Termen (später Leon Theremin) entwickelt. Die herausragendste Eigenschaft dieses Instruments ist wohl, dass man es beim Spielen nicht berührt. Es besteht aus zwei Antennen, die die Entfernung der Hand ertasten und damit den Klang in Höhe und Lautstärke verändern.
Hier mein Vorschlag für ein Objekt, dass sowohl den strukturellen Anforderungen, als auch dem inhaltlichen Ansatz gerecht werden soll:
Im Lisztraum sollen beliebig viele Klaviersaiten gespannt werden. Senkrecht, waagrecht oder schräg im Raum, können sie zur Aufteilung dienen, in Richtungen verweisen und Nischen oder Freiflächen deklarieren. Die Klaviersaiten können mit Sensoren ausgestattet werden, die, wie das oben erwähnte Theremin, durch Annäherung funktionieren, oder aber auch mit Tonabnehmern ausgestattet werden, so dass sie wie die Saiten einer Harfe gespielt werden können. Im Fall einer Berührung soll jedoch nicht nur die Anschlagsstärke als Information zur Verfügung stehen, sondern auch die Stelle, an der die Saite berührt wurde. Diese drei Parameter, Anschlagsort, Anschlagsstärke und die Entfernung vor und nach der Berührung, sollen dann nutzbar sein, um eine Vielzahl von Applikationen steuern zu können.
Ich würde diese Parameter gerne zur Klangerzeugung verwenden. Mein Motiv ist dabei an den oben erwähnten Aspekt von Liszts Leben angelehnt. Es soll ein Instrument geschaffen werden, das in seiner Spielweise so unkonventionell ist, dass es jeder mit den selben Vorkenntnissen für sich entdecken. Natürlich ist eine entsprechende Ausbildung bei jeder Art von musikalischer Betätigung von Vorteil, der Bewegungsablauf soll jedoch mit keinem klassischen Instrument direkt identisch sein. Ich möchte auch nicht ein einzelnes Instrument mit vielen Saiten in den Raum stellen, sondern vielmehr viele einzelne in größerem Abstand, um das ganze als ein kollektives Ereignis zu gestalten, bei dem der eigentliche Reiz erst durch das Zusammenspiel vieler Teilnehmer zustande kommt.